Sonntag, 28 August 2016 14:29

Das Hufgeschwür

Hufgeschwüre können in vielen, unterschiedlich ausgeprägten Verläufen auftreten. Dieser Umstand und auch die sich teilweise stark unterscheidenden Symptome führen des Öfteren zu Fehldiagnosen mit entsprechend falscher Therapie.

Hufgeschwüre müssen nicht zwingend mit einer Lahmheit einhergehen.

Die allerdings oft auftretende starke Lahmheit führt in Kombination mit dem falschen Gebrauch der „Abtastzange“ zu Diagnosen wie z.Bsp. Hufprellung, Huflederhautentzündung mit daraus resultierender Hufrehe bis hin zu der sogenannten „Belastungsrehe“.
Diese Vermengung aller möglichen und unmöglichen Krankheiten führt oft zu einer immensen Verunsicherung des Pferdebesitzers und einer Therapie, die nicht selten zu einer Verschlimmerung der Situation führt.

Doch auch wenn ein Hufgeschwür als solches richtig erkannt wurde unterscheiden sich die Vorgehensweisen bei der Therapie und Nachsorge mitunter deutlich. Der Artikel soll dem Pferdebesitzer einen kleinen Überblick über die Ursachen und Vorgänge bei einem Hufgeschwür verschaffen.

Die Ursachen.

Hufgeschwüre werden immer von sogenannten Fusobakterien ausgelöst. Diese in der Darmflora des Pferdes vorkommende Bakterien werden mit den Pferdeäpfeln ausgeschieden und gelangen so auf die Hufoberfläche.
Steine oder Steinchen lösen keine Hufgeschwüre aus. Doch dazu später mehr. Diese Fusobakterien siedeln sich bevorzugt im Bereich der „weichen Horne“ an, also am Strahl und in der Blättchenschicht (Weisse Linie, die ein Teil der Blättchenschicht bildet).

Warum bekommen manche Pferde ständig Hufgeschwüre und andere nicht?

Die hygienischen Bedingungen bei der Pferdehaltung spielen eine entscheidende Rolle. Umso geringer und unhygienischer der verfügbare Platz für das Pferd ist, desto größer ist die Gefahr, dass die ständige Konfrontation mit den Fäulnisbakterien zu einem Hufgeschwür führt.
Dennoch kommt es oft vor, dass gleich gehaltene Pferde eine unterschiedliche Anfälligkeit für Hufgeschwüre zeigen. Hier kommt der vorliegenden Hufform eine immense Bedeutung zu.

Weghebelnde Wände können Hufgeschwüre begünstigen

Die Einflussnahme der Hufform und der Hufbeschaffenheit.

Begünstigende Faktoren sind hier zu schräg stehende Wände, die zu einer Verbreiterung der Blättchenschicht (Weisse Linie) führen. Hier können Bakterien zuhauf eindringen und sich ansiedeln. Entscheidend ist, dass Fusobakterien nur unter Luftabschluss (anaerob) die besten Bedingungen zur Vermehrung vorfinden. Daher gehören auch Eckstreben, die die Hufsohle überlagern zu den geschwürauslösenden Hufsituationen. Die Qualität des Hufhorns und das eventuelle Beschlagen des Pferdes spielen ebenso eine wichtige Rolle.
Damit sind nur vier der vielen unterschiedlich auftretenden Szenarien genannt.

Steine haben kein Potential Hufgeschwüre zu verursachen.

Selbstverständlich setzen sich in einer verbreiterten Blättchenschicht neben den Fusobakterien auch kleine Steinchen fest. Dieser Umstand führt dazu, dass diese Steinchen oft als Hufgeschwür auslösend eingestuft werden. Steine haben kein Potential Hufgeschwüre zu verursachen, hierbei sind immer Fusobakterien der entscheidende Faktor.

Viele Hufgeschwüre haben ihren Ursprung in der Blättchenschicht und brechen am Kronrand durch

Die Therapie.

Grundsätzlich ist es anzustreben ein Hufgeschwür zu eröffnen, bzw das Hufgeschwür aus dem Huf zu führen. Je nach Lage kann es einige Tage dauern, bis das Hufgeschwür „gereift“ ist und sich ein Eröffnen mitunter erübrigt, da sich das Hufgeschwür schon selbst einen Weg aus dem Huf geschaffen hat.
Diesen Prozess gilt es zu unterstützen durch Anbringen eines Angussverbandes. Das aufgeweichte Horn ermöglicht ein leichteres Aufbrechen des Geschwüres. Kontraindiziert ist die Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten, da sie den Verlauf hinauszögern und ein Verschleppen des Hufgeschwüres begünstigen. Bricht das Hufgeschwür nicht innerhalb einiger Tage durch sollte versucht werden mit Hilfe der Abtastzange das Geschwür zu lokalisieren und ggf. zu eröffnen. Die Lahmheit klingt damit meist schlagartig ab, da der Druck auf die betroffene Lederhaut direkt abnimmt.

Abgedeckte Bereiche am Huf führen zu besten Bedingungen für Bakterien und damit zu Fäulnis und Hufgeschwüren

Der Eröffnungsbereich sollte nicht dauerhaft zugedeckelt werden!

Leider ist es immer noch eine oft gängige Praxis eröffnete Hufgeschwüre mit einem Eisen abzudecken. Jeder, der schon einen Huf direkt nach einer Eisenabnahme betrachten durfte weiß, wieviel Fäulnis sich unter einem Eisen bildet. Gerade nach einer Eröffnung mit einem mehr oder weniger großen Defekt im Huf sollte genau dies unbedingt vermieden werden. Zielführend ist ein leichter Verband in Kombination mit einen Krankenschuh. Die Eröffnungsstelle bleibt zugänglich und kann auch durch den Pferdebesitzer versorgt werden. Ist kein weiterer Ausfluss aus dem Geschwürbereich zu erwarten kann auch auf den Verband verzichtet werden und z.Bsp. eine antibakterielle Paste eingebracht werden. Der tätige Hufbearbeiter sollte den Bereich fortwährend einer besonderen Kontrolle unterziehen um einen Rückfall oder ein erneutes Hufgeschwür zu vermeiden.

Wie schon erwähnt soll der Artikel einen kleinen Überblick zu diesem Thema verschaffen. Um eine genaue Diagnose abgeben zu können muss immer die konkret vorliegende Hufsituation beachtet werden.

Autor: Klaus Mast

Gelesen 8759 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 27 Februar 2019 15:24
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